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  Ein drss-Märchen  
 
From: "Thomas Erstfeld" <tommy.e@gmx.de>
Newsgroups: de.rec.sport.segeln
Subject: OT: Ein drss-Maerchen fuer Kinder und Erwachsene
Date: Sat, 3 Jun 2000 00:27:53 +0200
Message-ID: <8h9ce0$2hemm$1@fu-berlin.de>

Kaepten Netzsheriff und seine Bande
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Kaepten Netzsheriff war der Schrecken des Usenet.
Sein Schiff, der 'Killfile Warior', schoss schneller als der Wind durch
das Netz. Wenn Netzsheriff am Horizont von drss erschien, schlotterten
alle ehrlichen Seeleute vor Angst wie Wackelpudding.

Kaepten Knitterbarts Steuermann war der 'Fiese Freddy'. Sein Koch war
der beruechtigte 'Saebel-Tom'. Dann gab es noch den 'Kahlen Knud',
'Harald die Holzhand', den 'Buckligen Bill' und zwanzig andere wilde
Kerle. Dies behauptete er zumindest.

Wenn sie die Newsgroup enterten, dann war nichts vor ihnen sicher.
Weder die Kochrezepte von Edgar, noch die Lack- und Lederpostings
von Ute und Thomas. Sie vergriffen sich an Manfred's Dosenbiervorraeten
und liessen auch an Mirko kein gutes Haar. Selbst vor fachkundigen
Medizinern machten sie keinen halt und lehrten auch den Wetterfroeschen
das Fuerchten.

Eines tages ueberfiel netzsheriff wieder mal ein Schiff. Einen
Strandkat. Aber das Schiff haette er besser vorbeifahren lassen. Denn 
an Bord war ein kleines Maedchen namens Ute.

Ute hatte Ferien und war unterwegs, um mit den Rumlallern Spass zu
haben. Die wilde Horde sprang mit Gebruell aufs Trampolin. Ute
versteckte sich hinterm mast. Aber der 'Fiese Freddy' zog sie heraus.
An den Haaren schleppte er sie zu Netzsheriff.

'Was machen wir mit der?' fragte der 'Fiese Freddy'. 'Die nehmen wir
mit, du Dummkopf!' knurrte Netzsheriff. 'Mit dem Schaetzchen zwingen wir die
anderen Subjekte, drss zu verlassen. Wenn nicht, verfuettern wir sie an
den Abuse ihres Providers.' 'Das wird euch verdammt leid tun!' schrie Ute. 
Aber der 'Fiese Freddy' verschnuerte sie wie einen Rollmops und warf sie 
auf den 'Killfile Warior'.

Erst als die Sonne unterging, schleppte der 'Kahle Knud' sie zum
Kaepten. 'Los, sag mir die Namen und eMail-Adressen der anderen Missetaeter!'
knurrte Netzsheriff. 'Sag ich nicht!' knurrte Ute zurueck. 'Wenn du die
Namen der anderen hoerst, machst du dir vor Angst sowieso in die
Hose.' Die wilde Horde groelte vor Lachen.

Da liess Netzsheriff Ute leiden. Sie musste den ganzen Tag saemtliche
Postings aus dni und dnq lesen und auswendig lernen. Ute droehnte
bald der Kopf.

Dreimal am Tag fragte Netzsheriff 'Name und Adressen?'
Aber Ute grinste bloss. 'Zum Abuse mit ihr!' bruellte dann 'Harald die
Holzhand'. Aber Netzsheriff knurrte nur: 'Die wird schon reden.'

Jeden Abend feierte die wilde Horde ihren erfolg. Sie tranken billigen
Rum und torkelten uebers Deck. Einige tanzten auf der Reling und
groehlten scheussliche Lieder.

Ute aber schrieb heimlich einen Zettel und steckte ihn in eine leere
Flasche. Wenn die wilde Horde in ihren Kojen schnarchte, warf Ute die
Flaschenpost ins Meer. Jede Nacht tat sie das.

Eines Nachts feierte die wilde horde bis zum Morgengrauen. Und danach
blieben sie schnarchend an deck liegen.
Ute stieg vorsichtig über all die Arme und Beine und schleuderte die
Flaschenpost ueber die Reling.
'Platsch! Plumps!' landete sie im wilden, weiten Velouwe Meer.

'Heh!' bruellte der 'Fiese Freddy'. 'Das Biest hat eine Flaschenpost ge-
schmissen.' Die Horde torkelte an die Reling und Netzsheriff bruellte:
'Holt mir sofort die Flasche!!!'

Alle sprangen ins Wasser, bedachten aber nicht die geringe Wassertiefe,
da sie nicht aufmerksam genug drss gelesen hatten. Nachden sie ihre
Schaedel aus dem Schlick befreit hatten, krochen sie tropfnass und
fluchend ohne die Flaschenpost wieder an Deck.

'Was hast du geschrieben?' bruellte Netzsheriff Ute an. Aber Ute trat
nur gegen sein Holzbein. Netzsheriff wurde rot wie ein gekochter Hummer.
'Zum Abuse mit ihr!' groelte er.

'Ne-Ne-Netzwaechter!' schrie ploetzlich der 'Kahle Knud' im Ausguck.
'Was soll der Bloedsinn?' bruellte Netzsheriff. 'Das sind wir doch!'
Zwei Strandkats mit dem giftgruenen Stander von drss kamen rasend
schnell auf sie zu.

'Wer ist das, zum Teufel?' bruellte Netzsheriff.
'Na, meine Freunde! Der 'Wilde Joerg' und der 'Schlagfertige Mirko' mit
ihrer Crew.' sagte Ute und grinste. 'Wer sonst?'

Netzsheriff wurde weiss wie Schlagsahne. Seine wilde Horde rollte
entsetzt mit den Augen. Dem 'Buckligen Bill' flogen fast die falschen
Zaehne heraus.

Die Strandkats kamen immer naeher. Ganz vorne am Bug stand der
'Wueste Edgar' und schuettelte seine Faeuste. Hinter ihm stand der
'Grimmige Thomas' mit Utes Peitsche in der Hand.
'Wartet nur, wenn ich ihnen von dni und dnq erzaehle!' sagte Ute.
'Ganz rot vom Lesen sind meine Augen, das macht meine Freunde
sehr wuetend.' Netzsheriff und seine Bande stoehnten vor Angst.

Als dann noch am Horizont die gefuerchtete First mit dem 'Durstigen
Manfred' am Ruder auftauchte, welcher sich vor Wut aus seiner
Haengematte erhoben hatte, und die beruechtigte Somnat Ovni ueber
die Untiefe herangeflogen kam, ergaben sich die Netzsheriff und seine
wilde Horde ohne Gegenwehr.

'Na, Engelchen!' rief der 'Grimmige Thomas' und warf Ute hoch in die
Luft. 'Wir haben deine Post bekommen. Alle Rumlaller haben sich schon ge-
wundert, wo du bleibst. Weisst du denn eine schoene, scheussliche
Strafe fuer diese Dummkoepfe?'
'Allerdings!' sagte Ute.

Von diesem Tag an hatten Kaepten Netzsheriff und seine wilde Horde
keine Zeit mehr, kleine Maedchen zu rauben oder die Nutzer von
drss zu langweilen.
Sie mussten den ganzen Tag de.alt.gruppenkasper und
de.alt.dummschwatz lesen, ohne selber posten zu duerfen.
Und Ute konnte endlich Spass mit ihren Freunden haben.

Ende.

Frei nach 'Kaepten Knitterbart und seine Bande' von Cornelia Funke,
erschienen im Loewe Verlag, 1993.
Saemtliche Aehnlichkeiten mit lebenden und toten Personen der NG
drss sind rein zufaellig und nicht(?) Absicht des Verfassers.

Gruss
Thomas
 
  © Oliver Schade <os@ls-la.net>
Last modified: Mon Jul 31 19:05:49 CEST 2000